AI Prompt Engineering - Praxistipps
Effektives Prompt Engineering für Claude AI – Tipps von Felicia Simon
Basierend auf: Felicia Simon, „Claude AI Prompt schreiben – Techniken und Tipps für die besten KI Antworten" (YouTube, April 2026)
Felicias Kernthese: Wenn die KI mittelmäßig antwortet, liegt es fast nie an der KI, sondern am Prompt. Ein guter Prompt ist ein klares Briefing – wie an einen neuen, fähigen, aber kontextlosen Mitarbeiter. Sie unterteilt das Thema in zwei Ebenen, die zusammen wirken:
- Bausteine (A–F): Aus welchen Bestandteilen besteht jeder gute Prompt?
- Techniken (1–6): Welche Muster helfen je nach Aufgabentyp?
In der Praxis kombinierst du beides – am Ende dieser Übersicht steht ein vollständiges Beispiel, das alles zusammenführt.
Teil 1: Die sechs Bausteine eines guten Prompts[Bearbeiten]
A. Rolle – wer soll Claude sein?[Bearbeiten]
Eine Rolle (Persona) gibt Claude Perspektive, Fachwissen und Tonfall. Ohne Rolle erhältst du den statistischen Durchschnitt aller möglichen Antworten; mit Rolle die Sicht einer bestimmten Fachperson. Je konkreter (Beruf, Erfahrungsjahre, Spezialisierung), desto schärfer das Ergebnis.
Du bist Ernährungsberaterin mit 20 Jahren Praxis und Schwerpunkt auf pflanzenbasierter Ernährung. Erkläre mir in drei Schritten, wie ich meine Ernährung über vier Wochen schrittweise umstellen kann. Sprich mich mit „du" an.
Du bist Grundschullehrerin einer dritten Klasse. Erkläre mir, wie das menschliche Herz funktioniert – so, wie du es einem achtjährigen Kind erklären würdest, mit einem alltagsnahen Vergleich.
Du bist Senior-Texter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt B2B-Software. Schreibe eine LinkedIn-Anzeige (max. 150 Zeichen) für ein neues Projektmanagement-Tool, das sich an Projektleiter:innen in mittelständischen Unternehmen richtet.
B. Aufgabe – was soll konkret entstehen?[Bearbeiten]
Schwache Verben wie „schreibe etwas zu…" oder „mach was mit…" liefern schwache Ergebnisse. Felicia empfiehlt klare, starke Verben: analysieren, strukturieren, vergleichen, zusammenfassen, gliedern, formulieren, priorisieren. Eine klare Aufgabe sagt nicht nur was, sondern auch wie viel und worauf hin.
Analysiere die folgende Produktbeschreibung und identifiziere die drei größten sprachlichen Schwächen. Benenne zu jeder Schwäche eine konkrete Verbesserung. [Produktbeschreibung hier einfügen]
Vergleiche die drei Programmiersprachen Python, JavaScript und Rust in einer Tabelle nach den Kriterien Lernkurve, Einsatzgebiete und Performance. Bewerte jedes Kriterium auf einer Skala von 1–5.
Priorisiere die folgenden zehn To-dos nach den Kriterien Dringlichkeit und Wirkung. Erstelle eine Liste in der Reihenfolge, in der ich sie heute abarbeiten sollte. [To-do-Liste hier einfügen]
C. Kontext – warum und für wen?[Bearbeiten]
Claude weiß nichts über deine Situation, Zielgruppe oder Ziele, wenn du es nicht sagst. Kontext ist der größte Hebel zwischen generischer Durchschnittsantwort und maßgeschneidertem Ergebnis. Wer ist die Zielgruppe? Was ist das Ziel? Was ist die Vorgeschichte?
Kontext: Ich bin Soloselbstständige im Bereich Yogatherapie und schreibe einen Newsletter für rund 800 Abonnentinnen zwischen 35 und 55 Jahren, die meist berufstätig und sportlich nicht sehr ambitioniert sind. Mein Ton ist warm, aber konkret – keine Räucherstäbchen-Sprache. Aufgabe: Schlage mir fünf Themen für die nächsten fünf Newsletter vor, jeweils mit einer Arbeitsüberschrift und einem Zweisatz-Pitch.
Kontext: Ich präsentiere morgen einen Quartalsbericht vor dem Vorstand. Ich habe 10 Minuten. Der Vorstand interessiert sich vor allem für Risiken, weniger für operative Details. Aufgabe: Verdichte die folgenden Zahlen in drei Kernbotschaften, die zu dieser Zielgruppe passen. [Zahlen hier einfügen]
D. Vorgehen – wie soll Claude arbeiten?[Bearbeiten]
Bei komplexen Aufgaben hilft es, den Arbeitsweg vorzugeben, statt nur das Endprodukt zu fordern. Anders als bei Chain-of-Thought (Technik 3, die KI denkt selbst laut) oder Prompt Chaining (Technik 4, mehrere getrennte Prompts) gibst du hier in einem Prompt die Reihenfolge vor.
Gehe in drei Schritten vor: 1. Fasse den folgenden Text in fünf Bulletpoints zusammen. 2. Identifiziere die Zielgruppe und benenne sie konkret. 3. Schlage drei Überschriften vor, die zu Schritt 2 passen. [Text hier einfügen]
Bevor du mit dem Schreiben beginnst: Stelle mir drei Klärungsfragen zu Zielgruppe, Tonalität und gewünschter Länge. Warte meine Antworten ab, bevor du den Entwurf erstellst.
E. Leitplanken – was soll Claude nicht tun?[Bearbeiten]
Felicia nennt diesen Baustein „Stoppkriterien". Gemeint sind klare Verbote, Grenzen und Regeln gegen unerwünschtes Verhalten – insbesondere gegen Halluzinationen (siehe auch unten). Wer keine Leitplanken setzt, bekommt erfundene Quellen, Marketing-Floskeln und zu lange Texte.
Regeln: - Wenn du eine Information nicht sicher weißt, schreibe „unsicher" – erfinde keine Zahlen, Studien oder Quellen. - Verwende keine Marketing-Floskeln wie „revolutionär", „bahnbrechend" oder „einzigartig". - Maximal 200 Wörter. - Keine Bulletpoints, nur Fließtext.
Wenn du eine konkrete Jahreszahl, einen Personennamen oder eine Statistik nennen würdest, prüfe erst, ob du dir wirklich sicher bist. Im Zweifel: lasse die Stelle weg oder markiere sie mit [zu prüfen].
F. Output – wie soll das Ergebnis aussehen?[Bearbeiten]
Format vorgeben spart eine Iteration. Tabelle, Liste, Fließtext, Markdown, JSON – jedes Format hat seinen Zweck. Dieser Baustein deckt das Was der Form ab; Technik 6 (Structured Output) ist die strengere Variante für maschinenlesbare Ausgaben.
Gib die Antwort als Markdown-Tabelle aus mit den Spalten: Funktion | Vorteil | Nachteil | Eignung für Einsteiger.
Format: zwei Absätze à maximal 80 Wörter, getrennt durch eine Leerzeile. Keine Überschriften, keine Aufzählungen.
Teil 2: Sechs Prompting-Techniken[Bearbeiten]
1. Zero-Shot Prompting[Bearbeiten]
Du fragst direkt, ohne Beispiele. Funktioniert gut bei klar definierten Aufgaben, bei denen das Muster offensichtlich ist – Übersetzen, Klassifizieren, einfache Zusammenfassungen.
Übersetze folgenden Satz ins Französische: „Wo finde ich den nächsten Bahnhof?"
Klassifiziere die folgende Kundenbewertung als positiv, neutral oder negativ und begründe in einem Satz: „Lieferung kam zwei Tage zu spät, aber das Produkt selbst ist okay."
Fasse den folgenden Text in genau einem Satz zusammen: [Text hier einfügen]
2. Few-Shot Prompting[Bearbeiten]
Du gibst Claude zwei bis drei Beispiele, damit es das Muster erkennt. Besonders stark bei stilistischen oder formalen Aufgaben, wenn schwer zu beschreiben ist, was du willst – aber leicht zu zeigen.
Hier sind drei Beispiele, wie ich Betreffzeilen für meinen Newsletter formuliere: 1. „Warum dein Montag besser läuft als du denkst" 2. „Drei Sätze, die Meetings retten" 3. „Was Yoga mit Excel zu tun hat" Schreibe nun fünf neue Betreffzeilen im gleichen Stil zum Thema „Pausen im Arbeitsalltag".
Beispiele für meinen Antwortstil im Kundensupport: Frage: „Wo ist meine Bestellung?" Antwort: „Hi [Name], deine Bestellung ist gerade in der Verpackung – du bekommst morgen die Sendungsnummer per Mail." Frage: „Kann ich noch etwas hinzufügen?" Antwort: „Hi [Name], leider nicht mehr – sobald das Paket gepackt ist, geht's direkt raus. Magst du eine zweite Bestellung aufgeben?" Schreibe in diesem Stil eine Antwort auf: „Ich habe versehentlich die falsche Adresse angegeben."
Format-Beispiele für meine Produkt-Tweets: - Problem (8 Wörter) → Lösung (10 Wörter) → CTA (5 Wörter) Beispiel 1: „Du verlierst Stunden in Meeting-Notizen. Unser Tool fasst sie automatisch zusammen. Heute kostenlos testen." Beispiel 2: „E-Mails fressen deinen Vormittag. Filter sortieren das Wichtige in 30 Sekunden. Jetzt installieren." Schreibe drei neue Tweets nach diesem Muster für ein KI-Notiz-Tool.
3. Chain-of-Thought (CoT)[Bearbeiten]
Du forderst Claude auf, laut nachzudenken, bevor es antwortet. Stark bei Logik, Mathematik, Analysen, Entscheidungen – immer dann, wenn der Weg zur Antwort wichtig ist und Fehler in Sprungantworten passieren.
Denke Schritt für Schritt: Ein Zug fährt mit 80 km/h von Stadt A nach Stadt B. Die Strecke beträgt 240 km. Er fährt um 9:15 Uhr ab und hält unterwegs einmal für 12 Minuten. Wann kommt er an?
Analysiere die folgende geschäftliche Entscheidung Schritt für Schritt: Welche Optionen gibt es? Welche Vor- und Nachteile hat jede? Erst am Ende: deine Empfehlung. Entscheidung: Soll ich einen festen Mitarbeiter einstellen oder weiter mit Freelancern arbeiten? Kontext: [Kontext einfügen]
Erkläre Schritt für Schritt, wie du diese Aufgabe angehen würdest, bevor du sie löst: Schreibe einen Anschreiben-Entwurf für eine Bewerbung als Produktmanagerin bei einem Klimatech-Start-up.
4. Prompt Chaining[Bearbeiten]
Du zerlegst eine komplexe Aufgabe in mehrere aufeinanderfolgende Prompts. Jeder Prompt nutzt das Ergebnis des vorherigen. Anders als Baustein D („Vorgehen") sind das mehrere echte Nachrichten – Claude kann zwischendurch hinterfragen, du kannst korrigieren.
Prompt 1: „Recherchiere die wichtigsten Trends im Bereich nachhaltige Verpackung 2026 und liste sie auf." Prompt 2 (nach Antwort): „Wähle aus deiner Liste die drei Trends aus, die für kleine Online-Shops am relevantesten sind." Prompt 3: „Schreibe zu jedem der drei Trends einen Blog-Absatz von 150 Wörtern."
Prompt 1: „Erstelle eine Gliederung für einen Vortrag über Schlafhygiene (20 Min., Zielgruppe: Eltern kleiner Kinder)." Prompt 2: „Schreibe für Punkt 3 der Gliederung ein ausformuliertes Skript mit zwei Anekdoten." Prompt 3: „Erstelle aus dem Skript fünf prägnante Folien (Titel + drei Bulletpoints)."
5. Self-Reflection Prompting[Bearbeiten]
Claude soll seine eigene Antwort prüfen und verbessern. Du nutzt damit die Modellintelligenz zweimal: einmal für die Antwort, einmal für die Qualitätskontrolle.
Schreibe einen Newsletter-Einstieg (ca. 120 Wörter) zum Thema „digitale Auszeit". Prüfe ihn danach kritisch auf Floskeln, schwache Verben und Längen. Schreibe abschließend eine verbesserte Version.
Beantworte die folgende Frage. Bewerte deine eigene Antwort danach nach den Kriterien Genauigkeit, Vollständigkeit und Klarheit auf einer Skala von 1–10. Schreibe wenn nötig eine verbesserte Version. Frage: Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen ETF und aktivem Fonds für Privatanleger?
Erstelle drei Überschriftenvorschläge für einen Artikel über Vier-Tage-Woche. Bewerte sie anschließend selbst nach Originalität und Klickwahrscheinlichkeit (jeweils 1–10) und begründe. Markiere am Ende deinen Favoriten.
6. Structured Output[Bearbeiten]
Die strengere Schwester von Baustein F: Du verlangst ein definiertes Datenformat – meist JSON, manchmal XML oder eine streng formatierte Tabelle. Sinnvoll, wenn die Antwort weiterverarbeitet werden soll (Tools, Skripte, Datenbanken).
Antworte ausschließlich als gültiges JSON mit folgender
Struktur, ohne erklärenden Text davor oder danach:
{
"titel": "...",
"zielgruppe": "...",
"kernaussage": "...",
"tonalitaet": "..."
}
Aufgabe: Analysiere den folgenden Werbetext und fülle
die Felder aus.
[Werbetext einfügen]
Gib mir die Antwort in dieser XML-Struktur: <analyse> <staerken>...</staerken> <schwaechen>...</schwaechen> <empfehlung>...</empfehlung> </analyse> Aufgabe: Analysiere meinen Lebenslauf für eine Bewerbung als UX-Designerin. [Lebenslauf einfügen]
Bonus: Alles zusammen – ein Beispielprompt[Bearbeiten]
So sieht ein Prompt aus, der die Bausteine kombiniert – Rolle, Aufgabe, Kontext, Vorgehen, Leitplanken, Output – und zusätzlich Few-Shot und Self-Reflection nutzt:
ROLLE: Du bist Senior-Texterin mit zehn Jahren Erfahrung im Bereich nachhaltige Konsumgüter. KONTEXT: Ich betreibe einen Online-Shop für plastikfreie Haushaltsprodukte. Zielgruppe: umweltbewusste Frauen zwischen 30 und 50, die berufstätig sind und wenig Zeit für lange Recherchen haben. Mein Ton ist warm, klar, nie belehrend. AUFGABE: Schreibe drei Instagram-Captions (je max. 150 Wörter) für ein neues festes Spülmittel. BEISPIEL für meinen Stil: „Drei Wochen, ein Stück, kein Plastikmüll – und ehrlich gesagt riecht es besser als alles, was wir vorher hatten. Klingt nach Werbung. Ist aber einfach die Wahrheit. [Link in Bio]" VORGEHEN: 1. Schreibe drei Captions in unterschiedlichen Winkeln (Alltag, Vergleich, Anekdote). 2. Prüfe sie auf Floskeln und Marketing-Sprache. 3. Schreibe von der schwächsten eine verbesserte Version. LEITPLANKEN: - Keine Wörter wie „revolutionär" oder „nachhaltig on top". - Keine erfundenen Zahlen oder Studien. - Keine Emojis am Anfang. OUTPUT: Markdown mit drei Überschriften (Caption 1 / 2 / 3), darunter jeweils die Caption. Am Ende ein Block „Verbesserte Version".